Die Burg von Ankara – eine Festung, die seit 26 Jahrhunderten auf einem Hügel über Ankara thront
Wenn man die engen Gassen der Altstadt von Altındağ hinaufsteigt und plötzlich die Burg von Ankara vor sich auftaucht, entsteht ein seltsames Gefühl: als wäre die Stadt unter den Füßen nur eine Kulisse und die wahre Hauptstadt wäre schon immer hier gewesen, auf dem Gipfel des Felsens. Die Burg von Ankara, oder Ankara Kalesi, ist nicht nur ein historisches Denkmal Zentralanatoliens, sondern ein vielschichtiger Stein, in dem sich Phrygier, Galater, Römer, Byzantiner, Seldschuken und Osmanen verewigt haben. Bis zu sechzehn Meter hohe Innenmauern, zweiundvierzig fünfeckige Bastionen, der östliche Turm Akkaale und dicke Marmorblöcke, die zusammen mit römischen Säulen direkt in das Mauerwerk eingemauert sind, machen diese Festung zu einer der aussagekräftigsten archäologischen Stätten des Landes. Von hier aus, aus einer Höhe von 110 Metern über der Ebene, bietet sich der beste Blick auf Ankara und die beste Möglichkeit, die Stadt zu verstehen.
Geschichte und Ursprung der Burg von Ankara
Die Geschichte der Burg von Ankara wird üblicherweise ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. datiert, als die Phrygier hier auf einem felsigen Gipfel über der Ebene die erste Festung errichteten. Der Standort war ideal gewählt: Der Hügel thront über dem Tal, die Hänge sind steil, Wasser ist in der Nähe, und der Blick reicht Dutzende Kilometer in alle Richtungen. Im Jahr 278 v. Chr. bauten die aus Europa kommenden Galater – keltische Stämme, die sich in Zentralanatolien niedergelassen hatten – die Festung um und machten sie zum Stützpunkt ihrer neuen Heimat. Von den Galatern erhielt die Region ihren Namen Galatien, und die Festung selbst wurde zum ersten Mal zu einer echten Steinburg.
Ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. wurde die Stadt Teil der Römischen Republik, wuchs rasch und dehnte sich über die Festungsmauern hinaus aus. Kaiser Caracalla befahl im Jahr 217 die Wiederherstellung der verfallenen Mauern, doch bereits Mitte des 3. Jahrhunderts, unter Kaiser Alexander Severus, wurde die Festung von den Persern teilweise zerstört. Eine wirklich groß angelegte Rekonstruktion begann in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts, als sich das römisch-byzantinische Ankara von dem vernichtenden Schlag des Jahres 622 erholte – der Eroberung und Plünderung der Stadt durch die Perser unter den Sassaniden. Genau auf diese Epoche, so der Historiker Clive Foss, gehen die Innenmauern zurück: Wahrscheinlich wurden sie unter Kaiser Constans II. errichtet.
Die Byzantiner machten weiter. Kaiser Justinian II. errichtete 668 die Außenmauer, Leo III. reparierte sie 740 und erhöhte gleichzeitig die inneren Befestigungen, während Nikephoros I. im Jahr 805 und Basileios I. im Jahr 869 die Befestigungsarbeiten fortsetzten. Jeder dieser Umbauten fügte einen neuen Mauerabschnitt, neue Ziegelelemente und neue Inschriften hinzu, sodass Archäologen die Festung heute wie einen geologischen Querschnitt lesen: Je höher die Schicht, desto jünger das Datum.
Im Jahr 1073 fiel die Festung in die Hände der Seldschuken, 1101 wurde sie kurzzeitig von den Kreuzrittern des ersten Kreuzzugs eingenommen, und 1227 kehrte sie endgültig zu den Seldschuken zurück. Sultan Alaeddin Keykubad I. ließ weitere Reparaturen durchführen, und im Jahr 1249 fügte Izzeddin Keykavus II. neue Anbauten hinzu, darunter Türme und Abschnitte der Brüstung. Der letzte größere Umbau stammt aus dem Jahr 1832: Auf Befehl des ägyptischen Statthalters Ibrahim Pascha Kawala wurden die Außenmauern erweitert, und in dieser Form ist die Festung bis heute erhalten geblieben – als Zeugin des Wechsels von sechs Zivilisationen auf einem Felsen.
Architektur und Sehenswürdigkeiten
Die Architektur von Ankara Kalesi ist ein Lehrbuch darüber, wie ganze Epochen sich überlagern. Die Festung gliedert sich in zwei Teile: die innere Zitadelle auf dem Gipfel und den äußeren Mauerring, der einst die Altstadt umschloss. Die innere Festung ist ein kompakter Viereck von etwa 350 mal 180 Metern (laut englischer Wikipedia 350 mal 150 Metern) mit einer Fläche von rund 43.000 Quadratmetern. Die äußere Linie schlängelt sich weiter unten an den Hängen entlang und ist nur noch fragmentarisch erhalten, zeigt aber dennoch, wie groß die mittelalterliche Stadt war.
Mauern, Türme und fünfeckige Bastionen
Das Beeindruckendste an der Festung ist der Rhythmus ihrer Bastionen. Entlang der Ost-, West- und Südmauer erhebt sich alle fünfzehn bis zwanzig Meter ein fünfeckiger Vorsprung. Insgesamt gibt es zweiundvierzig solcher Bastionen, und genau sie prägen die Silhouette, die von jedem Aussichtspunkt in Ankara aus erkennbar ist. Die Höhe der Mauern schwankt zwischen vierzehn und sechzehn Metern; der untere Teil besteht aus Marmor und Basalt, der obere aus lokalem Ankara-Stein und Ziegeln. Am äußeren Ring befinden sich etwa zwanzig Türme, die in größeren Abständen – etwa alle vierzig Meter – angeordnet sind.
Akka, das Tor und die seldschukischen Inschriften
In der südöstlichen Ecke der inneren Festung steht Akka-Le – die „Weiße Festung“, der höchste Punkt des Komplexes. Von ihrer obersten Plattform aus sieht die Stadt wie ein Modell aus, und an klaren Tagen sind die Ausläufer von Çankaya und die Silhouetten ferner Hügel zu erkennen. Zwei Tore führen in die Zitadelle: das äußere und das innere, die sogenannten Hisar Kapısı. Auf der Türsturzplatte ist eine arabische Inschrift aus der Ilchanidenzeit erhalten geblieben, und im nordwestlichen Teil ist eine seldschukische Inschrift zu sehen, die den Beitrag der Dynastie zum Umbau direkt dokumentiert. Diese Steine sprechen buchstäblich – man muss nur genau hinschauen.
Spolia: das zweite Leben römischer Denkmäler
Das bewegendste Detail der Burg von Ankara sind ihre Spolia. In das Mauerwerk sind Trümmer römischer Gebäude eingemauert: Kapitelle korinthischer Säulen, Teile von Sarkophagen, Marmorkanäle alter Aquädukte, Fragmente von Statuen und Grabsteinen. Im 8. und 9. Jahrhundert, als die Stadt immer wieder Überfälle erlitt, hatten die Baumeister keinen Sinn für Ästhetik – und sie errichteten die Festungsmauern schnell aus dem, was in der Nähe lag, aus den Ruinen des kaiserlichen Ankara. Dank dieser zweckmäßigen Eile wurde die Festung zu einem zufälligen Steinmuseum der Antike, in dem die römische Epoche buchstäblich in das byzantinische Mauerwerk eingewachsen ist.
Die Innenstadt und die Panoramen
Innerhalb der Mauern von Ankara Kalesi wurde das Leben nie unterbrochen. Hier stehen auch heute noch die alten Häuser Ankaras mit ihren hölzernen Erkern, die engen Gassen mit ihren Teehäusern, die kleinen Moscheen und die Werkstätten der Kupferschmiede. Die Festung ist längst nicht mehr nur ein Museum – sie ist ein Wohnviertel mit Aussicht, zu dem Touristen durch denselben doppelten Torbogen hinaufsteigen, durch den einst die seldschukischen Garnisonen schritten. Jährlich finden auf dem Gelände Stadtfeste, Konzerte und Handwerksmärkte statt, die den lebendigen Geist des Ortes bewahren. An Sommerabenden werden die Mauern von warmen Laternen beleuchtet, und in den kleinen Souvenirläden bei Hisar Kapısı findet man Kupfertabletts, Filigranarbeiten und gestrickte Wollwaren – Handwerkskunst, für die Ankara schon seit den Zeiten berühmt war, als hier die berühmte Angorawolle hergestellt wurde.
Interessante Fakten und Legenden
- In die Mauern der Festung sind Marmorsäulen, Kapitelle und sogar Sarkophagfragmente eingemauert – all dies sind „Spolia“ aus den Ruinen des römischen Ankara, die im 8. und 9. Jahrhundert als gewöhnliches Baumaterial verwendet wurden.
- Die Festung wechselte so oft den Besitzer, dass in ihrem Mauerwerk die phrygische, galatische, römische, byzantinische, seldschukische und osmanische Epoche physisch nebeneinander existieren – ein Fall, der selbst für Anatolien mit seiner reichen Geschichte selten ist.
- Der Überlieferung zufolge sahen die galatischen Anführer genau von hier, von der Höhe der Zitadelle aus, zum ersten Mal das Tal, das sie Galatien nennen sollten; später behaupteten die Byzantiner, dass man von Akka aus an klaren Tagen den Rauch entfernter Signalfeuer erkennen konnte.
- Die Dicke der Mauern und die Verwendung fünfeckiger Bastionen machten die Festung praktisch uneinnehmbar: Bei der Belagerung im Jahr 1101 konnten die Kreuzritter sie nur für kurze Zeit einnehmen, und bereits 1227 brachten die Seldschuken die Zitadelle wieder unter ihre Kontrolle.
- Der letzte große Restaurator der Festung war weder ein Sultan noch ein Kaiser, sondern der ägyptische Statthalter Ibrahim Pascha Kavallali – 1832 erweiterte er die Außenmauern während seiner kurzen Herrschaft über Anatolien.
- Die Einheimischen erzählen, dass jede Epoche ihre „Handschrift“ an den Mauern hinterlassen hat: Die Ilchaniden-Inschrift über dem Hisar-Tor und die seldschukischen Inschriften im nordwestlichen Teil dokumentieren direkt den Beitrag der Dynastien zum Umbau – ein seltener Fall, in dem die Baumeister ihr Werk selbst signieren.
- Heute finden in der Festung jährlich Stadtfeste und Handwerksmärkte statt, was bedeutet, dass sie weiterhin ihre alte Funktion erfüllt – das Leben der Stadt um sich zu versammeln, nur nicht mehr in defensiver, sondern in kultureller Hinsicht.
Anreise
Die Ankara Kalesi befindet sich im Stadtteil Altındağ, im historischen Herzen Ankaras, nur fünfzehn Gehminuten vom Ulus-Platz entfernt. Am einfachsten ist es, mit der U-Bahn der Linie Ankaray oder M1 bis zur Station Ulus zu fahren und von dort aus zu Fuß die Hisar Parkı-Straße hinaufzugehen: Der Aufstieg dauert etwa zwanzig Minuten und wird selbst zu einem Rundgang durch die Altstadt mit ihren osmanischen Häusern und Handwerksläden. Wer keine Steigungen mag, kann ein Taxi direkt zum unteren Tor der Festung nehmen – die Fahrt vom Zentrum ist günstig und dauert nicht länger als zehn Minuten.
Vom Flughafen Esenboğa aus ist es am bequemsten, den Havaş-Bus zum Kizilay-Platz zu nehmen, von wo aus man die Festung in zehn Minuten mit dem Taxi oder in zwanzig Minuten mit der U-Bahn (mit Umsteigen) erreicht. Für Touristen, die mit dem Zug anreisen, ist es noch einfacher: Vom YHT-Bahnhof bis zum Fuß des Hügels sind es etwa zwei Kilometer, die man bequem in einer halben Stunde zu Fuß zurücklegen kann. Unterwegs lohnt sich ein Abstecher ins Museum für anatolische Zivilisationen – es liegt direkt am Eingang zur Festung und fügt sich logisch in die Route ein: erst der Kontext, dann das Objekt selbst. Wer mit dem eigenen Auto angereist ist, sollte es besser auf den Parkplätzen bei Ulus oder beim Museum abstellen – innerhalb von Altındağ sind die Straßen so schmal, dass das Vorbeifahren an einem entgegenkommenden Fahrzeug zu einer Herausforderung wird.
Tipps für Reisende
Die beste Zeit für einen Besuch ist der Frühling (April–Mai) und der Herbst (September–Oktober), wenn es in Ankara trocken ist, die Sonne mild scheint und die Täler rund um die Stadt in Grün- oder Goldtöne getaucht sind. Im Sommer heizt sich das Plateau stark auf, und im Winter ist die Hauptstadt für ihre Winde und den seltenen, aber echten Schnee bekannt – dafür ist die Festung im Winter menschenleer und besonders fotogen. Kommen Sie mindestens eine Stunde vor Sonnenuntergang: In diesem Moment leuchten die Mauern in kupferrosa, und das Panorama von Akka aus verwandelt sich in eine Postkarte.
Das Schuhwerk ist das Wichtigste. Die alten Pflastersteine und Steinstufen innerhalb der Festung sind uneben und rutschig, besonders nach Regen, daher sind Wanderschuhe oder Turnschuhe mit gutem Profil ein Muss. Der Eintritt ist kostenlos, und der Besuch selbst dauert anderthalb bis zwei Stunden, wenn man sich Zeit lässt. Planen Sie einen kombinierten Besuch ein: zuerst das Museum für anatolische Zivilisationen am Fuße des Hügels, dann ein Spaziergang hinauf nach Hisar Park mit einer Tasse Tee in einem der traditionellen Teehäuser und erst danach die Zitadelle selbst und Akka. Zum Abendessen gehen Sie zurück nach Hamamye – einem restaurierten Viertel mit osmanischen Häusern, wo man Ankara-Küfte und die berühmte Beypazarı-Tarhana-Çorba serviert.
Für russischsprachige Reisende wird die Festung zu einer Art anatolischem Pendant zum Kolomenski- oder Pskow-Kreml – ein Ort, an dem die materielle Geschichte in den Steinen gelesen werden kann und an dem man mit einem einzigen Aufstieg den Weg vom phrygischen 8. Jahrhundert bis zum osmanischen 19. Jahrhundert zurücklegen kann. Vergessen Sie nicht, Wasser, Sonnencreme im Sommer und eine warme Jacke im Winter mitzunehmen: Der Wind auf dem Akka ist durchdringend. Und vor allem: Beeilen Sie sich nicht auf den Gipfel. Die Burg von Ankara offenbart sich langsam: in den Spolien, in den seldschukischen Inschriften, in den Ausblicken auf das Tal, im Trubel der Altstadt hinter den Mauern – und genau diese Gemächlichkeit macht den kurzen Aufstieg auf den Hügel zu einem der tiefsten Eindrücke von Ankara.