Die Behram-Pascha-Moschee – der „Prinz der Provinzmoscheen“ in Diyarbakır
Unter den Moscheen von Diyarbakır gibt es eine, über die der Architekturhistoriker Godfrey Goodwin 1971 schrieb: „Sie ist wahrlich der Prinz der Provinzmoscheen – ebenso prächtig in ihrer Ausstattung wie in ihren Proportionen, im Rahmen des strengen lokalen Stils.“ Die Behram-Pascha-Moschee – ein osmanisches Bauwerk aus dem 16. Jahrhundert, das im Auftrag des Statthalters von Diyarbakır errichtet wurde und vermutlich mit dem Namen Sinan selbst in Verbindung steht – ist eines der raffiniertesten Beispiele für die Verschmelzung imperialer und lokaler Architekturtraditionen. Das schwarz-weiße Mauerwerk aus Basalt und Kalkstein, die Kuppel mit einem Durchmesser von 15,9 Metern und die in Diyarbakir hergestellten Kacheln – all dies macht die Behram-Pascha-Moschee zu einem obligatorischen Zwischenstopp bei einem historischen Stadtrundgang.
Geschichte und Herkunft der Behram-Pascha-Moschee
Die Moschee wurde auf Befehl von Behram Pascha – dem osmanischen Statthalter (Beylerbey) von Diyarbakir – gegründet. Die genauen Daten seiner Amtszeit in der Provinz sind unbekannt, doch der wahrscheinlichste Zeitraum liegt zwischen 1564–65 und 1567–68. Behram Pascha selbst war der Sohn von Kara Şahin Mustafa Pascha, der vor ihm die Ämter des Statthalters von Jemen und Ägypten innehatte – er gehörte also zur höchsten Verwaltungselite des Osmanischen Reiches. Behram Pascha starb 1585 und wurde in Aleppo beigesetzt.
Der Bau begann etwa in den Jahren 1564–65. Das Fertigstellungsdatum – 1572–73 (AH 980) – ist in einer arabischen Inschrift über dem Eingangsportal erhalten. Dieser Datierungstext ist der wichtigste dokumentarische Beleg für die Chronologie des Baus.
Die Frage nach dem Architekten bleibt offen und umstritten. In einem der beiden wichtigsten autobiografischen Werke des Baumeisters – Tuḥfetü'l-mi'mārīn – wird die Moschee in der Liste der Werke Sinans erwähnt. In seinem anderen Text, Tezkiretü'l-ebniye, fehlt sie jedoch. Forscher vermuten, dass dieser Widerspruch auf eine marginale Rolle Sinans bei dem Projekt hindeutet: Möglicherweise hat er die Pläne lediglich in Istanbul genehmigt, während die eigentliche Bauausführung von einem anderen Architekten geleitet wurde – entweder von einem eigens aus der Hauptstadt entsandten kaiserlichen Baumeister oder von einem hochrangigen lokalen Meister. Für die letztere Version spricht die charakteristische Verwendung lokaler architektonischer Techniken neben den für den osmanischen Stil typischen.
Bemerkenswert ist, dass das schwarz-weiße Mauerwerk in der Ablak-Technik – abwechselnde Reihen aus schwarzem Basalt und weißem Kalkstein – für Konstantinopeler Moscheen untypisch ist, für Diyarbakır jedoch organisch, wo es Teil der regionalen Bautradition ist. Dies bestätigt: Die Baucrew bestand aus lokalen Maurern und Handwerkern, die mit der Sprache der Diyarbakır-Architektur bestens vertraut waren.
Architektur und Sehenswürdigkeiten
Die Behram-Pascha-Moschee verbindet die Monumentalität des osmanischen Programms mit der Intimität lokaler Details. Von außen und innen bietet das Gebäude reichhaltigen Stoff für denjenigen, der Architektur zu lesen versteht.
Fassade und Portikus
Die Nordfassade ist in abwechselnden horizontalen Streifen aus schwarzem und weißem Stein errichtet – eine Technik namens „Ablak“, die aus der syrisch-mamlukischen Tradition stammt und in Südostanatolien verbreitet ist. Vor dem Eingang befindet sich ein doppelter Portikus mit fünf Kuppeln. Die beiden mittleren Säulen des äußeren Portikus weisen charakteristische gewundene Mittelabschnitte aus abwechselnden Reihen schwarzer und weißer Steine auf. Die übrigen Säulen des Portikus bestehen aus weißem Marmor. Der einzige Minarett befindet sich in der nordwestlichen Ecke des Portikus.
Gegenüber dem zentralen Portal der Nordfassade steht ein achteckiger Trinkbrunnen. Sein pyramidenförmiges Dach ruht auf zusammengesetzten Säulen aus schwarzem und weißem Stein mit gewundenen Mittelteilen – diese greifen bewusst die Säulen des Portikus auf und schaffen so ein einheitliches Gesamtbild.
Kuppel und Innenraum
Der Hauptraum der Moschee ist ein Quadrat ohne zusätzliche Seitenschiffe, überdacht von einer einzigen Kuppel mit einem Durchmesser von 15,9 Metern (52 Fuß). Die Kuppel ruht auf einem sechzehnseitigen Tambour mit Fenstern an jeder Seite. Acht spitze Bögen tragen die Kuppel von innen und verleihen dem Gebetsraum ein Gefühl von Leichtigkeit und Weite. Das durch die 16 Fenster des Tambours einfallende, gestreute Licht erfüllt den Innenraum mit gleichmäßigem Tageslicht.
Kachelverzierung
Die unteren Teile der Wände des Gebetsraums sind mit großen quadratischen Glasurkacheln mit mehrfarbigem Unterglasurdekor verkleidet. Entlang der Bordüre verlaufen zwei Reihen rechteckiger Fliesen mit einem anderen Ornament. Die Kacheln wurden offenbar im 16. Jahrhundert in Diyarbakir selbst hergestellt – doch ihr Ornament und ihre Herstellungstechnik ähneln stark den Produkten der berühmten Werkstätten von Iznik. Der Forscher J. Rayby untersuchte dieses Phänomen in den Jahren 1977–78 gezielt und vermutete die Existenz einer vollwertigen Kachelproduktion in Diyarbakır, die mit İznik konkurrierte.
Konstruktive Besonderheiten
Ein türkischer Architekturforscher wies auf eine für ihre Zeit einzigartige Lösung über dem Eingangsportal hin: die umgekehrte Abfolge der Reihen in den Ecken – ein Verfahren, das der heutigen Bewehrung von Betonkonstruktionen ähnelt. Die Anwendung des Prinzips der Kompression im Mauerwerk vierhundert Jahre vor seiner Verbreitung im Bauwesen zeugt von höchster handwerklicher Meisterschaft der Bauherren.
Interessante Fakten und Legenden
- Godfrey Goodwin bezeichnete in seinem Standardwerk „A History of Ottoman Architecture“ (1971) die Behram-Pascha-Moschee als „Prinz der Provinzmoscheen“ – eine seltene Ehre in der wissenschaftlichen Literatur zur islamischen Architektur.
- Der Name Sinan wird nur in einer seiner beiden Autobiografien erwähnt. Diese Tatsache hat die Frage nach der Urheberschaft zu einem Streitpunkt unter Fachleuten gemacht: Der tatsächliche Architekt der Behram-Paşa-Moschee ist bis heute unbekannt.
- Die Kacheln aus dem 16. Jahrhundert, die das Innere schmücken, könnten direkt in Diyarbakır hergestellt worden sein. Sollte sich dies bestätigen, wäre die Moschee ein Beweis für die Existenz einer eigenständigen Keramikschule, die mit İznik konkurrierte.
- Behram Pascha starb 1585 und wurde in Aleppo beigesetzt. Die nach ihm benannte Moschee überlebte sowohl ihn selbst als auch den Untergang des Divans, dem er diente – und steht bis heute.
- Die konstruktive Technik mit umgekehrter Steinverlegung in den Eckbereichen über dem Portal nimmt die Prinzipien des modernen Bauwesens vorweg. Wissenschaftler zählen dies zu den „protoingenieurtechnischen“ Lösungen, die für die Diyarbakırer Bau-Schule des 16. Jahrhunderts charakteristisch sind.
Anfahrt
Die Behram-Pascha-Moschee befindet sich im historischen Stadtteil Sur der Stadt Diyarbakır, in der Ziya-Gökalp-Straße, unweit der Großen Moschee (Ulu Cami). Der Flughafen Diyarbakır (DIY) wird von Direktflügen aus Istanbul, Ankara und Izmir angeflogen; vom Flughafen ins Stadtzentrum sind es mit dem Taxi etwa 7 km (15–20 Minuten).
Das historische Viertel Sur lässt sich am besten zu Fuß erkunden: Die Behram-Paşa-Moschee, die Ulu Cami, İçkale und einige andere Sehenswürdigkeiten liegen alle in einem Umkreis von 10–15 Gehminuten. Als Orientierungspunkt dient die Große Moschee, von der aus man die Behram-Paşa-Moschee in wenigen Minuten zu Fuß erreicht. Öffentliche Verkehrsmittel (Dolmus und Busse) fahren bis zum Tor von Sur.
Tipps für Reisende
Die Moschee ist in Betrieb. Die beste Zeit für einen Besuch ist zwischen den Gebetszeiten, tagsüber. Der Eintritt ist kostenlos; ziehen Sie Ihre Schuhe an der Schwelle aus, Frauen müssen ein Kopftuch tragen. Versuchen Sie im Innenraum, die Betenden nicht zu stören.
Die beste Reisezeit für Diyarbakır ist April–Mai und September–Oktober. Im Sommer ist es in der Stadt sehr heiß (+38–42 Grad), und die gepflasterten Straßen von Sur speichern die Wärme. Im Winter kann es matschig und windig sein, aber es gibt keine Touristenmassen.
Kombinieren Sie den Besuch der Moschee mit einer Besichtigung der İçkale und der Stadtmauern von Diyarbakır, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. In der Nähe befindet sich das Ziya-Gökalp-Museum (Ziya Gökalp Müzesi) in einem ebenso historischen Basalthaus wie das Museum von Jahit Sıtkı Tarancı. Die Küche von Diyarbakır verdient besondere Beachtung: Fleischgerichte, Börek aus Linsen, lokale Baklava – all das gibt es in den Restaurants von Sur zu moderaten Preisen.
Das historische Viertel Sur wird nach den Kampfhandlungen von 2015–2016 wieder aufgebaut – ein Teil der Straßen wurde saniert. Dennoch hat die Behram-Pascha-Moschee ihr Aussehen bewahrt und bleibt nach wie vor der Höhepunkt der osmanischen Architektur der Provinz – ein „Prinz“, dessen Kuppel, dessen Kachelverzierungen und dessen arabische Inschrift über dem Portal fünf Jahrhunderte lang unverändert geblieben sind.