Die Melike-Hatun-Moschee – eine neue Silhouette im alten Ankara
Stellen Sie sich vor: Sie stehen im Stadtteil Ulus – dem ältesten Viertel der türkischen Hauptstadt, dort, wo einst das Zentrum von Byzanz, dann von Angora und schließlich der jungen republikanischen Stadt Ankara lag. Über dem gewohnten Stadtlärm ragen vier Minarette empor, jedes 72 Meter hoch. Die Kuppel mit einem Durchmesser von 27 Metern schwebt in 47 Metern Höhe – und dieses gesamte Ensemble wurde erst vor kurzem, am 27. September 2017, für Gläubige eröffnet. Die Melike-Hatun-Moschee ist das grandioseste Sakralbauwerk Ankaras unserer Zeit und bietet Platz für 7.000 Betende. Benannt nach einer einflussreichen Frau des 14. Jahrhunderts, der Schutzpatronin des religiösen und gesellschaftlichen Lebens der Stadt, vereint die Melike-Hatun-Moschee seldschukische, osmanische und moderne architektonische Motive – und ist bereits zu einem neuen Symbol der Hauptstadt geworden, um das sich Diskussionen über die Vergangenheit und Zukunft Ankaras drehen.
Geschichte und Herkunft der Melike-Hatun-Moschee
Der Name der Moschee geht auf eine reale historische Figur zurück – Melike Hatun, eine wohlhabende und einflussreiche Einwohnerin Ankaras im 14. Jahrhundert. Nach der Version von Professor Hüseyin Çınar von der Yıldırım-Beyazıt-Universität war sie aller Wahrscheinlichkeit nach die Tochter von Kaykubad III. – dem letzten der anatolischen Seldschuken-Sultane (regierte 1298–1302). Genaue dokumentarische Belege dafür gibt es zwar nicht, doch ihr tatsächlicher Einfluss auf das Leben der Stadt ist belegt: Melike Hatun gab zahlreiche öffentliche Bauwerke in Ankara in Auftrag und unterstützte den Sufi-Denker und Dichter Hacı Bayram-ı Veli, dessen spirituelles Erbe bis heute tief in der religiösen Kultur dieser Gegend verwurzelt ist. Sie ist nicht zu verwechseln mit der bekannteren Melike Mama Hatun, die in anderen Quellen erwähnt wird.
Der Bau der modernen Moschee dauerte vier Jahre und wurde 2017 abgeschlossen. Das Projekt wurde vom Architekten Hilmi Şenalp entworfen. Die Einweihung der Moschee fand am 27. September 2017 in Anwesenheit des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan statt. In seiner Rede erklärte Erdoğan, die Moschee werde zu einem Symbol für Ankara werden. Er ging auch auf das Thema Geschichte ein: Seinen Worten zufolge gab es in der Einparteienzeit der Türkischen Republik Versuche, Ankara ihrer ursprünglichen Identität zu berauben, unter anderem durch die Einschränkung des Baus religiöser Stätten. Diese Worte lösten sofort Kontroversen aus: Ein Teil der Experten und Journalisten wertete den Bau der Moschee als „neo-osmanischen Schritt, der gegen die republikanische Stadtplanung gerichtet ist“. Die Diskussion dauert bis heute an, was die Melike-Hatun-Moschee nicht nur zu einem architektonischen Objekt, sondern auch zu einem eigenartigen Barometer des türkischen gesellschaftspolitischen Lebens macht.
Die Moschee befindet sich in der Altstadt von Ankara, in einem Viertel, das die Einwohner Hergele Meydanı nennen, östlich des Atatürk-Boulevards und des Gençlik Parkı – des größten Stadtparks der Hauptstadt. Die Wahl des Standorts ist kein Zufall: Ulus ist das historische Zentrum von Ankara, und der Bau eines groß angelegten religiösen Bauwerks an dieser Stelle hat eine deutliche symbolische Bedeutung.
Architektur und Sehenswürdigkeiten
Die Melike-Hatun-Moschee ist eines der imposantesten religiösen Bauwerke des modernen Ankara. Ihre architektonische Formensprache ist bewusst eklektisch: Hilmi Şenalp verband in seinem Entwurf osmanische, seldschukische und moderne Motive.
Silhouette: vier Minarette und die Hauptkuppel
Die vier Minarette sind jeweils 72 Meter hoch, verfügen über je drei Şerefe (Balkon-Galerien für den Muezzin) und sind an den Ecken des Sockels angeordnet, wodurch sie eine mächtige vertikale Dominante bilden. Die Hauptkuppel mit einem Durchmesser von 27 Metern erreicht eine maximale Höhe von 47 Metern. An der Spitze der Kuppel ist ein 20 Zentimeter hoher Alem – eine metallene Kuppelkappe – angebracht. Der Grundriss mit den vier Minaretten erinnert an die größten Sultansmoscheen Istanbuls: die Blaue Moschee (Sultan Ahmed Camii) und die Süleymaniye-Moschee – und verdeutlicht sofort den Anspruch des Gebäudes.
Inschriften über den Eingängen und Verzierungen
Über den Eingangsportalen befinden sich dekorative Inschriften aus Blattgold, Knochen, Perlmutt und Elfenbein – eine Technik, die auf die seldschukische und frühosmanische Tradition der geschnitzten Portaldekoration zurückgeht. Diese handgefertigten Details stehen in starkem Kontrast zur monumentalen Größe des Gebäudes und vermitteln das Gefühl einer sorgfältig abgestimmten Balance zwischen Feierlichkeit und feiner Ausführung.
Gebetsraum für 7.000 Personen
Die Grundstücksfläche der Moschee beträgt 3.600 Quadratmeter. Die Gebetshalle ist für 7.000 Gläubige gleichzeitig ausgelegt. Damit ist die Melike-Hatun-Moschee eine der geräumigsten Moscheen in Ankara. Der Raum unter der Kuppel ist in einer Tradition gestaltet, die auf die Prinzipien der Sinan-Moscheen zurückgeht: ein einheitlicher, zentrierter Raum mit einem hohen Tambour, der für eine gute Akustik und ein Gefühl von erhabener Weite sorgt.
Kontext und Außenansicht
Vom Gençlik Parkı und dem Atatürk-Boulevard aus bietet sich ein Blick auf die Moschee in ihrer ganzen Größe. Der Stadtpark und der breite Boulevard bieten die seltene Gelegenheit, das Gebäude vollständig zu sehen – ohne Wohnhäuser im Vordergrund. Dies ist der beste Ort für Fotos. Am frühen Morgen oder bei Sonnenuntergang leuchten die Minarett-Türme vor dem Hintergrund des Himmels besonders eindrucksvoll.
Interessante Fakten und Legenden
- Die Moschee ist nach einer Frau aus dem 14. Jahrhundert benannt – der mutmaßlichen Tochter des letzten seldschukischen Sultans von Anatolien, der Schutzpatronin der Sufi-Bewegung und des öffentlichen Bauwesens in Ankara.
- Der Bau dauerte vier Jahre, und die Einweihung am 27. September 2017 fand in Anwesenheit des Staatspräsidenten statt und wurde von heftigen politischen Diskussionen über die Rolle des Islam im städtischen Raum der Hauptstadt begleitet.
- Vier 72 Meter hohe Minarette machen die Moschee zu einem der höchsten Sakralbauten Ankaras – sie ist von vielen Punkten des historischen Zentrums aus zu sehen.
- Über den Eingangsportalen befinden sich dekorative Inschriften aus Blattgold, Perlmutt, Knochen und Elfenbein: ein seltenes Beispiel für die Wiederbelebung mittelalterlicher Gestaltungstechniken in der modernen Architektur.
- Die Moschee liegt neben dem Gençlik Parkı – dem größten Stadtpark Ankaras –, was einen ungewöhnlichen Kontrast bildet: Der weltliche Erholungspark und die monumentale Moschee stehen buchstäblich nur durch eine Straße voneinander getrennt.
Anfahrt
Die Melike-Hatun-Moschee befindet sich im Stadtteil Ulus, im historischen Zentrum von Ankara, östlich des Atatürk Bulvarı und des Gençlik Parkı. Die nächstgelegene U-Bahn-Station ist Ulus (Linie M1), die Gehzeit von der Station zur Moschee beträgt etwa 10 Minuten. Von Kızılay nach Ulus sind es mit der U-Bahn 5–7 Minuten.
Vom Flughafen Ankara Esenboğa (ESB) kann man mit dem Havaş-Bus bis zur Haltestelle im Zentrum (Kızılay oder ASTI) fahren und dort in die U-Bahn nach Ulus umsteigen. Die Fahrt mit dem Taxi vom Flughafen dauert je nach Verkehrslage etwa 40–50 Minuten. Mit dem Bus: Zahlreiche EGO-Linien verbinden Ulus mit anderen Stadtteilen. Für Reisende, die mit dem Hızlı Tren aus Istanbul oder Eskişehir anreisen, liegt der Endbahnhof Ankara nur wenige U-Bahn-Stationen von Ulus entfernt.
Tipps für Reisende
Die Moschee ist täglich geöffnet, der Eintritt ist frei. Beachten Sie die Regeln: Ziehen Sie am Eingang Ihre Schuhe aus, Frauen sollten ein Kopftuch tragen und sich zurückhaltend kleiden, mit bedeckten Schultern und Knien. Am Freitagmittag (Juma) ist die Moschee überfüllt – kommen Sie besser zu einer anderen Zeit, wenn Sie die Moschee in Ruhe besichtigen möchten.
Kombinieren Sie den Besuch mit einem Spaziergang durch den Gençlik Parkı: Der Park liegt buchstäblich direkt gegenüber. Von dort aus sind alle vier Minarette gut zu sehen – ein hervorragender Ort für ein Panoramafoto. In der Nähe befinden sich auch die Zitadelle von Ankara, das Ethnografische Museum und die Hacı Bayram Camii – eine Moschee, die mit der spirituellen Schutzpatronin Melike Hatun in Verbindung steht. An einem Tag in Ulus lassen sich gleich mehrere historische Epochen erkunden: die römische, die seldschukische und die republikanische.
Die beste Zeit für einen Besuch ist der Vormittag an Wochentagen oder während der Festtagsgebete (Ramadan, Kurban-Bajram) – dann ist die Atmosphäre besonders feierlich. Für Fotos ist der Sonnenuntergang ideal: Die Minarette tauchen in goldenes Licht, und die Kuppel leuchtet vor dem Hintergrund des dunkelblauen Himmels. Die Melike-Hatun-Moschee ist ein Ort, den man bei einem Besuch in Ankara nicht übersehen darf: Hier trifft die Geschichte des 14. Jahrhunderts auf die Architektur des 21. Jahrhunderts und Religion auf Politik.