Die Nasrullah-Moschee – das Herz der Altstadt von Kastamonu und die größte osmanische Moschee der Schwarzmeerregion
Die Nasrullah-Moschee (Nasrullah Camii) ist die wichtigste muslimische Kultstätte der antiken Stadt Kastamonu, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Norden der Türkei. Sie wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts erbaut und ist bis heute die größte Moschee der Stadt sowie eine der größten an der gesamten Schwarzmeerküste des Landes. Die Moschee steht auf dem gleichnamigen Platz, der das historische Herz von Kastamonu bildet, und ist von einem arabeskenartigen Ensemble aus osmanischen Geschäften, Medresen und Brunnen umgeben. Obwohl ihr in Reiseführern oft weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird als ihren Schwestern in Istanbul und Edirne, stellt die Nasrullah-Moschee ein großartiges Beispiel für die klassische osmanische Architektur in der Provinz dar – jene, die in einer Zeit entstand, als Meister aus der Hauptstadt ihre Fertigkeiten in die entlegenen Städte des Reiches trugen. Für den Reisenden, der diese grüne, bergige Region erreicht hat, wird die Moschee zur Hauptsehenswürdigkeit und zum Ausgangspunkt für die Entdeckung der reichen Vergangenheit von Kastamonu.
Geschichte und Herkunft
Kastamonu war zu Beginn des 16. Jahrhunderts ein lebhaftes Handels- und Verwaltungszentrum an der Karawanenroute von Anatolien zum Schwarzen Meer. Die Stadt, die längst Teil des Osmanischen Reiches war, erlebte eine Blütezeit: Hier arbeiteten Tausende von Handwerkern, Gerbern und Kupferschmieden, und die Einwohnerzahl betrug mehr als zwanzigtausend Menschen. Genau in dieser Epoche, im Jahr 1506 (nach einigen Quellen 1509), errichtete der örtliche Kadi (Richter) Nasrullah Kadi auf eigene Kosten eine Hauptmoschee, die zur größten der Region wurde. Der Name des Erbauers – Nasrullah, was aus dem Arabischen übersetzt „Gottes Hilfe“ bedeutet – ist für immer mit dem Gebäude verbunden.
Die Moschee wurde als Freitagsmoschee (Dschuma) erbaut – also als Hauptmoschee der Stadt, in der sich die gesamte männliche muslimische Gemeinde zum wöchentlichen Gebet versammeln sollte. Dies bestimmte ihre imposante Größe: Unmittelbar nach ihrer Eröffnung wurde sie nach den sultanischen Komplexen in Istanbul zur zweitgrößten Moschee Nordanatoliens. Um die Moschee herum entstand ein vollwertiger Imaret (Wohltätigkeitskomplex), der eine Medrese, einen Imaret (eine kostenlose Speisehalle), einen Khan (eine Herberge) und einen Shadyrvan (einen Brunnen für die Waschungen) umfasste. Diese städtische Infrastruktur wurde aus den Erträgen des Waqf finanziert – einer von Nasrullah selbst gegründeten religiösen Stiftung.
In den mehr als fünf Jahrhunderten ihres Bestehens erfuhr die Moschee mehrere bedeutende Umbauten. Im Jahr 1746 wurde sie durch einen Brand schwer beschädigt und anschließend vom Wesir Schehsuwar Mehmet-Pascha wiederhergestellt. Im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude einer osmanischen Restaurierung unterzogen, bei der barocke Elemente in die Ausstattung integriert wurden. Ihr heutiges Aussehen erhielt die Moschee nach den Restaurierungsarbeiten Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts, als sie so weit wie möglich in ihren klassischen osmanischen Zustand zurückversetzt wurde. Heute ist Nasrullah eine aktive Hauptmoschee, in der sich zu den Freitagsgebeten Tausende von Gläubigen versammeln.
Architektur und Sehenswürdigkeiten
Die Nasrullah-Moschee wurde im für die klassische osmanische Provinzarchitektur charakteristischen Stil erbaut, der auf die Schule des großen Baumeisters Sinan und seiner Schüler zurückgeht. Der Grundriss der Moschee ist nahezu quadratisch, mit einem großen Hauptsaal, der von einem Kuppelsystem überdacht ist, und einem weitläufigen Innenhof, der von einer Galerie umgeben ist.
Äußeres Erscheinungsbild und Silhouette
Der Hauptgebetsraum wird von zwei großen Kuppeln überspannt, die nacheinander auf der Nord-Süd-Achse angeordnet sind, was für osmanische Moscheen in der Provinz eine Seltenheit ist: Häufiger findet man eine einzige zentrale Kuppel. Das Kuppelpaar verleiht der Moschee eine unverwechselbare Silhouette, die von jedem Punkt der Altstadt von Kastamonu aus zu sehen ist. An das Gebäude schließen sich zwei hohe Minarette an, die sich schlank in den Himmel erheben. Die Minarette bestehen aus glatt behauenem Stein und verfügen über einen Balkon (Scherif), der von einer geschnitzten Balustrade umgeben ist. Die Gesimse der Kuppeln sind mit dem charakteristischen osmanischen „Zahn“-Dekor verziert, und die Bleiverkleidungen reflektieren das Licht in einem besonderen Winkel, wodurch bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ein Schimmern entsteht.
Innenraum
Der Gebetsraum beeindruckt durch seine Weite: Die Gesamtfläche des Innenraums beträgt über 800 Quadratmeter, und die Kapazität reicht für etwa zweitausend Betende. Die Kuppeln ruhen auf massiven Bögen und mächtigen zentralen Pfeilern und vermitteln ein Gefühl von Leichtigkeit und Aufwärtsstreben – ein Markenzeichen der osmanischen Kaiserarchitektur. Die Wände und der Raum unter den Kuppeln sind mit Wandmalereien verziert, die in der Kalemkari-Technik ausgeführt wurden – einer traditionellen osmanischen Wandmalerei mit pflanzlichen und kalligraphischen Ornamenten in Blau-, Türkis- und Dunkelrottönen. Viele Muster wurden im Zuge der Restaurierung wiederhergestellt, doch ein Teil der Originalmalereien aus dem 16. bis 18. Jahrhundert ist auf der oberen Ebene erhalten geblieben.
Mihrab, Minbar und Kalligraphie
Der Hauptmihrab (Gebetsnische, die nach Mekka ausgerichtet ist) besteht aus weißem Marmor, ist von Säulen eingerahmt und mit einem geschnitzten Bogen mit einem typisch osmanischen „Stalaktiten“-Gewölbe (Mukarnas) verziert. Daneben befindet sich ein Marmor-Minbar – eine Kanzel für den Prediger, die von einer konischen Spitze gekrönt wird. An den Wänden sind große Medaillons mit kalligraphischen Inschriften der Namen Allahs, des Propheten Mohammed und der vier rechtschaffenen Kalifen angebracht; sie wurden von Meistern aus Kastamonu im 19. Jahrhundert im Tuluth-Stil angefertigt.
Hof, Shadyrvan und Portikus
Vor dem Eingang zur Moschee erstreckt sich ein weitläufiger, mit Steinplatten gepflasterter Innenhof, in dessen Mitte ein Schadyrwan steht – ein achteckiger, überdachter Brunnen für die rituelle Waschung. Der Brunnen wurde im 18. Jahrhundert umgebaut und gilt als einer der malerischsten in Anatolien: Sein Dach wird von geschnitzten Holzsäulen getragen, und das Wasser fließt aus mehreren bronzenen Hähnen. Rund um den Hof stehen Platanen, in deren Schatten alte Männer ganze Tage mit Tee und Backgammon-Partien verbringen.
Nasrullah-Platz und das umliegende Ensemble
Der Platz, der die Moschee umgibt, ist das historische Zentrum von Kastamonu und steht als städtebauliches Denkmal unter Denkmalschutz. Hier stehen osmanische Läden aus dem 18. und 19. Jahrhundert, in denen bis heute traditionelles Siirak (Kupfergeschirr), Leder und lokale Süßigkeiten sowie das berühmte Kastamonu-Çekme – eine dünne süße Paste aus Tahini – verkauft werden. Etwas weiter entfernt beginnen der überdachte Akkay-Basar, die Medrese Ibn-Nechjar und die Steinbrücken aus dem 15. Jahrhundert, die ein einheitliches historisches Bild ergeben.
Interessante Fakten und Legenden
- Die Nasrullah-Moschee gehört hinsichtlich ihrer Kapazität zu den zehn größten historischen Moscheen der Türkei und ist die größte Moschee der Schwarzmeerregion.
- Der Name des Gründers – Nasrullah Kadi – bedeutet „Gottes Hilfe“; während der Brände und Erdbeben des 19. Jahrhunderts beteten die Einwohner der Stadt für ihren Erhalt, und die Moschee überstand alle Katastrophen.
- In Kastamonu gibt es ein Sprichwort: „Ohne Nasrullah gibt es keinen Freitag“ – was darauf hinweist, dass das Freitagsgebet historisch gesehen genau hier verrichtet wurde.
- Die Holzschnitzereien an der Tür des Minbars wurden ohne einen einzigen Nagel nach der für die seldschukische und frühe osmanische Tradition charakteristischen „Kündekari“-Technik ausgeführt.
- Unter der Moschee befindet sich eine kleine Krypta, in der der Überlieferung zufolge Nasrullah Kadi selbst begraben liegt; der Zugang für Besucher ist verschlossen.
- Im Jahr 1925 besuchte Präsident Atatürk, der in Kastamonu den berühmten „Reform“-Erlass über die neue Kleidung verkündet hatte, das Freitagsgebet gerade in Nasrullah.
- Der Chadyrvan im Innenhof der Moschee dient als Treffpunkt für die Einheimischen: Man glaubt, dass hier Wasser aus allen Quellen der Provinz Kastamonu gesammelt wird.
Anreise
Die Stadt Kastamonu liegt im nördlichen Teil Zentralanatoliens, 200 Kilometer nördlich von Ankara und 90 Kilometer von der Schwarzmeerküste entfernt. Die Stadt ist mit Überlandbussen leicht zu erreichen: Die Fahrt von Ankara dauert 3–3,5 Stunden, von Istanbul 8–9 Stunden. Der Busbahnhof von Kastamonu ist durch regelmäßige Stadtbusse und Dolmusse mit dem Stadtzentrum verbunden; vom Busbahnhof zum Nasrullah-Platz sind es etwa 15 Minuten mit dem Bus oder 25 Minuten zu Fuß entlang des Flusses Kerbele.
Der nächstgelegene Flughafen ist Kastamonu (KFS), der 13 Kilometer von der Stadt entfernt liegt; hierher fliegen Flugzeuge aus Istanbul. Eine Alternative ist der Flughafen Ankara Esenboğa, von dem aus man mit einem Direktbus weiterfahren kann. Die Moschee selbst befindet sich im Herzen der Altstadt, und jeder Spaziergang durch das historische Zentrum von Kastamonu führt unweigerlich zu ihrem Platz. Die Parkmöglichkeiten rund um die Moschee sind begrenzt; es wird empfohlen, das Auto in der Tiefgarage der Stadtverwaltung abzustellen und 10 Minuten zu Fuß zu gehen.
Tipps für Reisende
Die beste Reisezeit ist der späte Frühling (Mai–Juni) und der frühe Herbst (September–Oktober), wenn es in Kastamonu mild und grün ist. Die Stadt ist für ihr kühles Klima bekannt – selbst im Sommer steigen die Temperaturen hier selten über 28 °C, und nachts sinken sie auf bis zu 15 °C. Im Winter liegt Kastamonu unter einer Schneedecke, und die Moschee sieht in ihrem winterlichen Gewand besonders malerisch aus.
Der Eintritt in die Moschee ist frei, doch da es sich um ein aktives religiöses Gebäude handelt, sollte man sie außerhalb der Gebetszeiten besuchen (5 Mal am Tag, der Zeitplan hängt am Eingang). Besonders wichtig ist es, das Freitagsgebet zu vermeiden, da die Moschee dann mit Gläubigen überfüllt ist. Frauen sollten Kopf und Schultern bedecken (Kopftücher werden am Eingang kostenlos ausgegeben), Männer sollten lange Hosen tragen. Beim Betreten muss man unbedingt die Schuhe ausziehen und sie auf spezielle Regale oder in Plastiktüten legen. Im Inneren ist es verboten, laut zu sprechen, Betende zu fotografieren und ohne Erlaubnis Videoaufnahmen zu machen.
Planen Sie für die Besichtigung der Moschee mit Innenhof 45–60 Minuten ein. Machen Sie nach dem Besuch unbedingt einen Spaziergang durch die Umgebung der Altstadt: Besuchen Sie das Kastamonu-Hausmuseum, den Ausstellungsplatz Alai-Köşk, die Kastamonu-Festung auf dem Hügel (von dort aus hat man einen Panoramablick über die ganze Stadt) und den überdachten Markt Narpus-Han. Verpassen Sie nicht die Gelegenheit, die lokale Küche zu probieren: das Kürbisdessert „Etli Ekmek“, die lokale Nudelsorte „Banduma“, die süße Halva „Çekme Helva“ und den starken Tee aus Bergamotte, die in den umliegenden Dörfern angebaut wird. Genau hier, inmitten dieser ländlichen Schönheit und der warmen osmanischen Architektur, können Sie am besten nachempfinden, wie Anatolien in jenen Tagen aussah, als Nasrullah Kadi den Grundstein für seine Kathedralmoschee legte.