Türkiye İş Bankası Museum für wirtschaftliche Unabhängigkeit: Die Bank, in der die wirtschaftliche Unabhängigkeit ihren Anfang nahm
Auf dem Ulus-Platz in Ankara, gegenüber dem Siegesdenkmal und nur wenige Schritte von der Großen Nationalversammlung entfernt, steht ein fünfstöckiges Gebäude mit einer charakteristischen spätosmanischen Fassade. Es handelt sich um den ersten Hauptsitz der Türkiye İş Bankası – einer Bank, die 1924 auf Initiative von Mustafa Kemal Atatürk selbst gegründet wurde. Seit dem 2. Mai 2019 ist hier das İktisadi Bağımsızlık Müzesi – das Museum für wirtschaftliche Unabhängigkeit – untergebracht, das davon erzählt, wie die junge Türkische Republik ihr eigenes Bankensystem aufbaute und für finanzielle Souveränität kämpfte.
Geschichte des Museums
Das Gebäude wurde 1929 nach einem Entwurf des italienischen Architekten Giulio Mongeri errichtet – einem der Meister, die das Erscheinungsbild des frühen republikanischen Ankara prägten. Mongeri ist auch für die Entwürfe der Maltepe-Moschee und vieler Verwaltungsgebäude der 1920er- und 1930er-Jahre bekannt. Das Gebäude war ursprünglich als Hauptsitz der Türkiye İş Bankası vorgesehen – der ersten großen Nationalbank, die 1924 unter direkter Beteiligung Atatürks gegründet wurde, um die wirtschaftliche Unabhängigkeit der jungen Republik zu sichern.
Über Jahrzehnte hinweg erfüllte das Gebäude seine ursprüngliche Funktion als Bank. Als der Hauptsitz der Bank in ein modernes Gebäude umzog, wurde das historische Büro in Ulus restauriert und 2019 als İktisadi Bağımsızlık Müzesi eröffnet. Bei der Restaurierung wurden die ursprünglichen Bankinterieurs – Kassenzimmer, Tresorräume, Büros der Geschäftsleitung, Besprechungsraum – bewusst erhalten, was dem Museum eine ganz besondere Atmosphäre verleiht.
Sammlung und Sehenswürdigkeiten
Untergeschoss: Bankschließfächer
Im Untergeschoss des Gebäudes sind die ursprünglichen Schließfächer mit schweren Metalltüren und Nummerierung erhalten geblieben. Dies ist eine seltene Gelegenheit, einen Einblick in das Backoffice einer Bank der 1930er Jahre zu erhalten: poliertes Metall, Kontrollsysteme, bis ins kleinste Detail durchdachte Mechanismen.
Erdgeschoss: Geschäftsraum
Das Erdgeschoss bewahrt die Atmosphäre des ehemaligen Geschäftsraums: Kassenschalter, Kundenschalter, für die Epoche typische Möbel. Hier finden sich auch Ausstellungen über den Bankalltag in den ersten Jahren der Türkischen Republik.
Der Sitzungssaal mit der Geschichte Atatürks
Im zweiten Stock befindet sich der berühmte Besprechungsraum, in dem Mustafa Kemal Atatürk bei seinen Besuchen in der Bank persönlich anwesend war. Der originale Tisch, die Sessel und Fotodokumente sind erhalten geblieben. An diesem Ort wurden Fragen zur Entstehung der türkischen Volkswirtschaft erörtert, weshalb er eine besondere Gedenkfunktion hat.
Etagen mit Dokumenten und Werbung
Auf den mittleren Etagen wird eine umfangreiche Sammlung historischer Dokumente, früher Werbeplakate und Werbespots der Türkiye İş Bankası sowie Exemplare der ersten Aktien, Bankbücher und Sparbüchsen (Penny Banks) präsentiert, die die Bevölkerung zum Sparen anregen sollten. Es handelt sich um Material, in dem die Wirtschaftsgeschichte der Türkei durch visuelles Design erzählt wird.
Saal zum Unabhängigkeitskrieg
Die vierte Etage ist vollständig der Dauerausstellung über den türkischen Unabhängigkeitskrieg (1919–1923) gewidmet. Dieser Bereich zeigt, wie der militärische Sieg die Grundlage für die wirtschaftliche Unabhängigkeit schuf und warum erst danach die Gründung der İş Bankası und anderer staatlicher Institutionen möglich wurde. Hier befindet sich auch das Originalgemälde mit der Darstellung von Kurt Bullent.
Architektur von Giulio Mongeri
Das Gebäude selbst ist ein Beispiel für den neoklassizistischen Stil mit Elementen der „türkischen Nationalrenaissance“, die für die Architektur der frühen Türkischen Republik charakteristisch ist. Die Steinverkleidung, die symmetrische Fassade und die durchdachten Proportionen machen es zu einem der markantesten architektonischen Denkmäler von Ulus.
Interessante Fakten
- Die Türkiye İş Bankası wurde am 26. August 1924 auf Initiative von Mustafa Kemal Atatürk gegründet und war die erste große Nationalbank der jungen Türkischen Republik.
- Der Architekt des Gebäudes, Giulio Mongeri, war ein Italiener, der seit Ende des 19. Jahrhunderts in Istanbul und Ankara tätig war; er entwarf die Maltepe-Moschee und viele Gebäude der frühen Republik.
- Das Museum wurde am 2. Mai 2019 – zum 95. Jahrestag der Gründung der Bank – eröffnet und ist eines der ungewöhnlichsten Unternehmensmuseen der Türkei.
- Im Keller sind die originalen Bankschließfächer erhalten geblieben, was den Besuch wie eine Reise in einen authentischen Film der 1930er Jahre wirken lässt.
- Die Türkiye İş Bankası ist auch heute noch eine der größten Banken der Türkei; das Museum in ihrem historischen Hauptsitz ist ein seltenes Beispiel dafür, wie ein Unternehmen sein eigenes Gedächtnis pflegt und es gleichzeitig zum öffentlichen Gut macht.
Anfahrt
Das Museum befindet sich am Ulus-Platz, gegenüber dem Siegesdenkmal, im Herzen des alten republikanischen Ankara. Die nächstgelegene U-Bahn-Station ist Ulus (Ankaray-Linie), von dort sind es nur wenige Minuten zu Fuß. Von Kızılay aus ist es bequem mit der U-Bahn oder dem Minibus in 10 Minuten zu erreichen.
GPS-Koordinaten: 39.9428° N, 32.8547° E. Vom Flughafen Esenboğa (ESB) – mit dem HAVAŞ-Bus oder einem Taxi nach Ulus. Im Umkreis von 500 Metern befinden sich weitere wichtige Sehenswürdigkeiten: das PTT-Briefmarkenmuseum, die Hacı-Bayram-Moschee, die Julianische Säule sowie die Festung Ankara Kalesi und das Museum für anatolische Zivilisationen.
Tipps für Reisende
Planen Sie für einen entspannten Rundgang etwa 1,5 bis 2 Stunden ein. Besonders lohnenswert ist ein längerer Aufenthalt im Sitzungssaal (wo Atatürk verkehrte) und im Kellerbereich mit den Bankschließfächern – dies sind die atmosphärischsten Teile des Museums. Auch der Saal zum Unabhängigkeitskrieg erfordert Zeit für eine aufmerksame Besichtigung.
Das Museum ist täglich außer montags geöffnet, normalerweise von 10 :00 bis 18 :00 – die genauen Öffnungszeiten sollten Sie jedoch vor Ihrem Besuch noch einmal überprüfen. Es lässt sich gut mit einem Besuch benachbarter Sehenswürdigkeiten kombinieren: Das PTT Pul Müzesi liegt buchstäblich auf der anderen Straßenseite, und beide Objekte lassen sich leicht an einem Tag besichtigen. Wenn noch Zeit bleibt, steigen Sie zur Festung Ankara Kalesi hinauf und besuchen Sie das Museum für anatolische Zivilisationen.
Am Eingang gibt es einen Buchladen mit Publikationen zur Geschichte der Türkei und zum Bankwesen – eine gute Quelle für Materialien auf Türkisch und Englisch. Das Fotografieren ist in der Regel ohne Blitz erlaubt. Für alle, die nicht nur die militärische, sondern auch die wirtschaftliche Seite der Entstehung der Türkischen Republik verstehen möchten, ist das Türkiye İş Bankası İktisadi Bağımsızlık Müzesi ein Muss in Ankara.