Tarhuntassa – die verschwundene Hauptstadt des Hethiterreichs

Tarhuntassa: Die verschwundene Hauptstadt der Hethiter

Tarhuntassa ist eines der größten Rätsel der hethitischen Archäologie. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts v. Chr. verlegte der große König Muwatalli II. die Hauptstadt des Reiches von Hattusa genau hierher, nach Südanatolien. Die Stadt wird in Dutzenden von Keilschrifttexten erwähnt, hier wurden Verträge unterzeichnet, von hier aus zogen Armeen aus. Doch wo genau Tarhuntassa lag, ist bis heute nicht genau bekannt. Die Suche dauert bereits seit über hundert Jahren an; als Kandidaten werden Orte in den Provinzen Mersin, Konya und Karaman vorgeschlagen, und jeder von ihnen hat seine Befürworter. Es ist ein seltener Fall, dass die Hauptstadt eines Bronzezeitreichs ein „geografisches Phantom“ bleibt.

Geschichte und Bedeutung

Die Verlegung der Hauptstadt nach Tarhuntassa erfolgte unter Muwatalli II., offenbar in den Jahren unmittelbar vor oder unmittelbar nach der berühmten Schlacht bei Kadesh (um 1274 v. Chr.) gegen den ägyptischen Pharao Ramses II. Die genauen Gründe für die Verlegung sind nach wie vor umstritten; die wichtigsten Annahmen lauten wie folgt:

1. Militärstrategisch: Annäherung des Kommandozentrums an den syrischen Kriegsschauplatz und Erleichterung der Logistik im Vorfeld der Auseinandersetzung mit Ägypten.

2. Religiös: Die Aufwertung des Kultes des Donnergottes (Tarḫunt), dessen Name auch zum Namen der neuen Stadt wurde (Tarḫuntašša – „Stadt des Tarḫunt“).

3. Wirtschaftlich-kommunikativ: Kontrolle über die südlichen Seewege und Handelsrouten durch Kilikien.

Nach dem Tod von Muwatalli II. verlegte sein Nachfolger Mursili III. die Hauptstadt zurück nach Hattusa. Später ernannte Mursili III. jedoch Muwatallis Sohn, den Prinzen Kurunta, zum Regionalkönig von Tarhuntassa. Mit der Zeit erklärte sich Kurunta zum „Großen König“ – das heißt, er erhob faktisch Anspruch auf den Kaiserstatus. Der hethitische Hof bestritt diese Ansprüche und „begrub den Vertrag“, wie hethitische Quellen selbst berichten. An der Wende vom 13. zum 12. Jahrhundert v. Chr. berichtet Suppiluliuma II., dass Hatti „die Stadt Tarhuntassa überfallen und geplündert“ habe, woraufhin die Spuren der Hauptstadt zusammen mit dem Reich selbst verloren gehen.

Wo ist Tarhuntassa zu suchen?

Hypothesen zur Lage

Im Laufe eines Jahrhunderts der Suche wurden Dutzende von Orten vorgeschlagen. Zu den am meisten diskutierten gehören:

— die Umgebung von Mersin und Westkilikien;

— die Region Konya und das Kızıldağ-Gebirge;

— der Hügel Sirkeli Höyük in der Provinz Adana, wo sich das monumentale Relief von Muwatalli II erhalten hat;

— die Umgebung von Kayseri;

— eine relativ neue (2019) Vermutung – die große Siedlung Türkmen-Karahöyük bei Çumra in der Konya-Ebene.

All diese Hypothesen basieren auf einer Kombination indirekter Hinweise: Entfernungen, Erwähnungen von Ortsnamen in Texten, das Vorhandensein monumentaler Reliefs und der Umfang der erhaltenen Ruinen. Den spekulativen Charakter der meisten Identifizierungen erkennen die Forscher offen an.

Denkmäler im Zusammenhang mit Tarhuntassa

Obwohl die Stadt selbst nicht lokalisiert ist, steht eine Reihe monumentaler Denkmäler zweifellos mit ihr in Verbindung. Das wichtigste davon ist die hieroglyphisch-luwische Bronzetafel aus Hattusa (Bronze Tablet), ein Vertrag zwischen Tudhaliya IV. und Kurunta aus Tarhuntassa, der 1986 entdeckt wurde. Dieser Text beschreibt detailliert die Grenzen des Königreichs Tarhuntassa und erwähnt Dutzende von Ortsnamen in Südanatolien – doch ohne eine detaillierte Landkarte ist es äußerst schwierig, diese mit der tatsächlichen Landschaft in Verbindung zu bringen.

Zu Tarhuntassa werden auch eine Reihe monumentaler Felsreliefs und Hieroglypheninschriften in Südanatolien gezählt: Yalburt, Hatip, Karadağ, Kızıldağ. Sie alle gehören zum gemeinsamen „luwischen“ Kulturkreis und helfen dabei, die religiöse und politische Geografie der Region zu rekonstruieren.

Sehenswürdigkeiten im Zusammenhang mit Tarhuntassa

Museum für anatolische Zivilisationen (Ankara)

Die wichtigsten „materiellen“ Zeugnisse von Tarhuntassa sind heute in den Vitrinen des Museums für Anatolische Zivilisationen in Ankara zu sehen: Fragmente hieroglyphischer Inschriften, Nachbildungen der Bronzetafel, Rekonstruktionen der Reliefs. Hier sind auch, inmitten der Stelen aus Hattusa, Texte ausgestellt, in denen die Stadt erwähnt wird.

Felsreliefs in Südanatolien

Wer den „Atem“ dieser Epoche spüren möchte, sollte am besten das Relief von Sirkeli Höyük am Ufer des Ceyhan besuchen – es ist das älteste monumentale hethitische Relief in Anatolien, das genau Muwatalli II. darstellt. Dazu gehören auch die Inschriften von Hatip und Yalburt, die eine eigene Expedition erfordern.

Interessante Fakten

  • Tarhuntassa ist die einzige hethitische Hauptstadt, deren genauer Standort bis heute nicht ermittelt wurde.
  • Der Name der Stadt (Tarḫuntašša) bedeutet „(Stadt) des Donnergottes Tarḫunt“; die Verlegung der Hauptstadt dorthin könnte mit einer religiösen Reform zusammenhängen.
  • Die 1986 entdeckte Bronzetafel aus Hattusa ist der größte bekannte hethitische Vertrag und die wichtigste Informationsquelle über das Königreich Tarhuntassa.
  • Der Kronprinz Kurunta aus Tarhuntassa erklärte sich zum „Großen König“ und führte damit eine kurze Zeit der Doppelherrschaft im Hethiterreich ein.
  • Das antike Tarhuntassa wurde unter Suppiluliuma II. von den Hethitern selbst zerstört – ein seltener Fall einer „verräterischen Hauptstadt“ in der Bronzezeit.

Anreise

Da der genaue Standort von Tarhuntassa unbekannt ist, gibt es keine eigene Sehenswürdigkeit. Die „greifbarsten“ Routen, die mit diesem Namen in Verbindung stehen:

Museum der anatolischen Zivilisationen in Ankara: im Stadtzentrum, zu Fuß vom Ulus-Platz aus erreichbar;

Sirkeli Höyük in der Provinz Adana: ca. 40 km von Adana entfernt, am besten mit einem Mietwagen;

Kızıldağ und Karadağ in der Provinz Konya: erfordern eine gezielte Anreise und Erfahrung mit Offroad-Strecken;

Türkmen-Karahöyük bei Çumra: archäologische Stätte, jedoch ohne ausgestattete Ausstellung für Touristen.

Tipps für Reisende

Wenn Sie sich speziell für Tarhuntassa interessieren, beginnen Sie mit dem Museum für anatolische Zivilisationen in Ankara – dort sind wichtige Inschriften und Nachbildungen der Bronzetafeln versammelt, und die Begleittexte helfen zu verstehen, warum diese verschwundene Hauptstadt von Bedeutung war. Nach dem Museumsbesuch ist es sinnvoll, die Exkursion zum Sirkeli Höyük fortzusetzen und, sofern es die Zeit erlaubt, weiter zu den luwischen Inschriften in Südanatolien.

Für die Ausgrabungsstätten in Südanatolien sollten Sie ein Auto, Trinkwasser und festes Schuhwerk mitnehmen: Die Infrastruktur ist minimal, die Straßen teilweise unbefestigt. Es ist sinnvoll, sich vorab über den aktuellen Stand der Hypothesen zu informieren – die akademische Diskussion über die Lage von Tarhuntassa dauert an, und mit jeder Feldsaison präzisiert sich das Bild.

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Häufig gestellte Fragen — Tarhuntassa – die verschwundene Hauptstadt des Hethiterreichs Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Tarhuntassa – die verschwundene Hauptstadt des Hethiterreichs. Informationen zur Funktionsweise, zu den Möglichkeiten und zur Nutzung des Dienstes.
Tarhuntassa war unter Muwatalli II. zu Beginn des 13. Jahrhunderts v. Chr. die Hauptstadt des Hethiterreichs, doch ihr genauer Standort ist bis heute nicht geklärt. Die Stadt wird in Dutzenden von Keilschrifttexten erwähnt, doch bisher konnte keine archäologische Stätte eindeutig mit ihr identifiziert werden. Sie ist die einzige hethitische Hauptstadt, die ein „geografisches Phantom“ bleibt.
Nein, es ist nicht möglich, Tarhuntassa als touristische Sehenswürdigkeit zu besuchen, da ihr genauer Standort unbekannt ist. Mit diesem Thema sind jedoch mehrere reale Orte verbunden: das Museum der anatolischen Zivilisationen in Ankara, das Relief von Sirkeli Höyük in der Provinz Adana, die Ausgrabungsstätte Türkmen-Karahöyük bei Çumra sowie die luwischen Inschriften von Kızıldağ, Karadağ, Hatip und Yalburt.
Wissenschaftler diskutieren mehrere Gebiete: West-Kilikien und die Umgebung von Mersin, die Region Konya mit dem Kızıldağ-Gebirge, den Hügel Sirkeli Höyük in der Provinz Adana, die Umgebung von Kayseri sowie die große Siedlungsstätte Türkmen-Karahöyük bei Çumra in der Konya-Ebene, die seit 2019 Gegenstand einer breiten Diskussion ist.
Wenn es um eine Museumsroute in Ankara geht, sollte man für die Sonderausstellung zur hethitischen Epoche im Museum of Anatolian Civilizations mindestens 90 Minuten einplanen. Die Exkursion zum Sirkeli Höyük erfordert einen ganzen Tag, und der Ausflug nach Kızıldağ oder Türkmen-Karahöyük ist eine vollwertige Expedition von 1–2 Tagen.
Die beste Reisezeit ist im Frühling und Herbst: Im Süden Anatoliens herrschen angenehme Temperaturen, die Straßen sind nach dem Winter befahrbar und das Licht fällt schön auf die Landschaft. Der Sommer in Mersin, Adana und auf der Konya-Ebene ist für ausgedehnte Wanderungen zu heiß, und im Winter können die unbefestigten Zufahrtswege zum Kızıldağ und Karadağ gesperrt sein.
Das Thema ist sehr komplex und akademisch, weshalb ein eigenständiger Rundgang ohne Vorbereitung weniger aufschlussreich sein dürfte. Ein Führer des Museums für anatolische Zivilisationen oder ein auf hethitische und luwische Epigraphik spezialisierter Historiker verstärkt den Eindruck, den die Bronzetafel, die Reliefs und die Begleittexte hinterlassen, deutlich.
Die Bronzetafel ist der größte bekannte hethitische Vertrag, der zwischen Tudhaliya IV. und Kurunta aus Tarhuntassa geschlossen wurde. Sie wurde 1986 in Hattusa gefunden und wird heute im Museum of Anatolian Civilizations in Ankara aufbewahrt, wo auch Nachbildungen und Begleitmaterialien zu diesem Thema ausgestellt sind.
Ein Museumsbesuch in Ankara eignet sich für Schüler, die sich für Geschichte interessieren: Die Ausstellung ist übersichtlich und mit verständlichen Beschriftungen versehen. Die Ausgrabungsstätten im Süden Anatoliens – Kızıldağ, Karadağ, Türkmen-Karahöyük – richten sich hingegen eher an erwachsene Reisende: Dort gibt es nur eine minimale Infrastruktur, unbefestigte Straßen und lange Fahrstrecken.
Neben dem Museum für anatolische Zivilisationen empfiehlt es sich, das Relief von Sirkeli Höyük am Ceyhan zu besichtigen – das älteste monumentale hethitische Relief mit einer Darstellung von Muwatalli II. Wenn es die Zeit erlaubt, sollten Sie auch die Inschriften von Hatip bei Konya und Yalburt sowie die Gipfel von Kızıldağ und Karadağ mit ihren luwischen Hieroglyphen in Ihren Besuch einbeziehen.
Das Museum der anatolischen Zivilisationen unterliegt den üblichen Museumsregeln und verlangt eine Eintrittsgebühr; die aktuellen Preise sollten vor dem Besuch auf der offiziellen Website abgefragt werden. Die Ausgrabungsstätten – Sirkeli Höyük, Kızıldağ, Karadağ, Türkmen-Karahöyük – sind in der Regel offene archäologische Stätten ohne Kassen, verfügen jedoch über keine touristische Infrastruktur.
Die Gebiete selbst sind ruhig, doch die Straßen nach Kızıldağ, Karadağ und zu einigen Zielen in Tarhuntassa sind stellenweise unbefestigt, ohne Wegweiser und ohne Mobilfunkempfang. Es empfiehlt sich, mit einem Allradfahrzeug zu fahren, Offline-Karten, einen Wasservorrat und festes Schuhwerk dabei zu haben sowie Angehörigen die Route und die voraussichtliche Rückkehrzeit mitzuteilen.
Die Diskussion geht weiter: Mit jeder Feldsaison werden die Hypothesen zur Konya-Ebene, zu Mersin und zu Kilikien präzisiert. Das Auftauchen neuer Hieroglyphenfunde, wie im Fall von Türkmen-Karahöyük, kann die Schwerpunkte schlagartig verschieben; daher ist es ratsam, vor einer Reise die neuesten wissenschaftlichen Veröffentlichungen und aktualisierten Berichte der Museen zu lesen.
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Lesen Sie vor Ihrer Reise eine kurze Übersicht über das Hethiterreich, Muwatalli II., die Schlacht von Kadesh und den Kronprinzen Kurunta. Wenn Sie die Rolle von Tarhuntassa und der Bronzetafel verstehen, können Sie die Exponate und Reliefs besser einordnen; andernfalls wirken viele Inschriften und Rekonstruktionen wie abstrakte Steine.
Entscheiden Sie, was Ihnen am meisten zusagt: ein Museumsbesuch in Ankara, eine Exkursion nach Sirkeli Höyük in der Provinz Adana oder eine Expedition über die Konya-Ebene nach Kızıldağ, Karadağ und Türkmen-Karahöyük. Davon hängen der Zeitplan, das Budget, die Art des Transports und die Liste der Sehenswürdigkeiten ab.
Die beste Reisezeit ist im Frühling und Herbst, wenn im Süden Anatoliens moderate Temperaturen herrschen und die unbefestigten Straßen befahrbar sind. Planen Sie Ihren Flug oder Ihre Anreise nach Ankara, Adana oder Konya, buchen Sie eine Unterkunft in der Nähe der Ausgangsstadt und überlegen Sie sich die Route zwischen den einzelnen Orten.
Für das Museum in Ankara reicht der öffentliche Nahverkehr aus, für Sirkeli Höyük ist ein Mietwagen ab Adana praktischer, und für Kızıldağ und Türkmen-Karahöyük ist ein Fahrzeug mit Allradantrieb empfehlenswert. Buchen Sie Ihre Unterkunft in Ankara, Adana oder Konya – je nachdem, welche Gruppe von Ausgrabungsstätten für Sie im Vordergrund steht.
Planen Sie mindestens 90 Minuten für den Hattischen Bereich des Museums in Ankara ein. Konzentrieren Sie sich auf die Vitrinen mit Hieroglypheninschriften, die Nachbildung der Bronzetafel und die Stelen aus Hattusa, auf denen Tarhuntassa erwähnt wird. Nehmen Sie nach Möglichkeit einen Audioguide oder einen begleitenden Historiker in Anspruch.
Fahren Sie von Adana etwa 40 km bis zur Küste von Ceyhan und besichtigen Sie das monumentale Relief von Muwatalli II – das älteste hethitische Relief Anatoliens. Nehmen Sie Wasser, eine Kopfbedeckung und bequeme Schuhe mit und planen Sie Ihren Besuch am Vormittag oder in den Stunden vor Sonnenuntergang ein, um die besten Lichtverhältnisse für Ihre Fotos zu haben.
Wenn es die Zeit und die Vorbereitung zulassen, sollten Sie Hatip und Yalburt in der Nähe von Konya sowie die Gipfel Kızıldağ und Karadağ mit einbeziehen. Informieren Sie sich im Voraus über den Zustand der Zufahrtsstraßen, die Wettervorhersage und die Mobilfunkabdeckung; solche Ausflüge sollten als Ganztagesausflüge mit einem Zeitpuffer für den Rückweg geplant werden.
Informieren Sie sich kurz vor Ihrer Reise über aktuelle Veröffentlichungen und Neuigkeiten zu den Ausgrabungen in Türkmen-Karahöyük und anderen möglichen Standorten für Tarhuntassa. Erkundigen Sie sich nach den Öffnungszeiten des Museums für anatolische Zivilisationen und der Zugänglichkeit der Ausgrabungsstätten: Die Diskussion über den Standort dauert an, und die Details können sich von Saison zu Saison ändern.